Erschließung des Bestands LABW StAL EL 350 II sowie Digitalisierung und experimentelle Anreicherung von Erschließungsdaten von Einzelfallakten durch Machine Learning-Verfahren

Am 1. Juni 2020 ist das vom Bundesministerium für Finanzen geförderte Projekt "Erschließung des Bestands LABW StAL EL 350 II sowie Digitalisierung und experimentelle Anreicherung von Erschließungsdaten von Einzelfallakten durch Machine Learning-Verfahren" mit einer Laufzeit von 36 Monaten angelaufen.

Das BMF hat den Anstoß gegeben, die Geschichte der Wiedergutmachung in Deutschland als wesentlichen Aspekt der deutschen Nachkriegs- und Demokratiegeschichte deutlicher als bisher geschehen darzustellen. Daher unterstützt das BMF die Archive des Bundes und der Länder bei der Erschließung und Digitalisierung von Aktenbeständen zur Wiedergutmachung. Ziel ist die Schaffung eines Themenportals zur "Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts", das einen einheitlichen und digitalen Gesamtzugang zu allen Akten der Wiedergutmachung bieten soll. Als wichtige Vorbilder gelten die digitalen Angebote von Yad Vashem in Israel und dem United States Holocaust Memorial Museum.

Das Landesarchiv Baden-Württemberg bildet den Auftakt für diese Unternehmung. Innerhalb des Projekts soll ein erweiterter Bestand von Wiedergutmachungsakten digitalisiert und hinsichtlich zukunftsorientierter Anwendungsmöglichkeiten getestet werden. Weitere Projekte zur Wiedergutmachung, die mit dem Bundesarchiv und zahlreichen Landesarchiven geplant sind, sollen sich sukzessive anschließen.


Das Projekt des Landesarchivs BW gliedert sich in drei Projektteile:

Geplant ist die fachgerechte Erschließung der Sachaktenüberlieferung (allgemeine Verwaltungsunterlagen) des Landesamts für die Wiedergutmachung Baden-Württembergs in der Archivabteilung Staatsarchiv Ludwigsburg (Bestand StAL EL 350 II) sowie die Testerschließung von Einzelfallakten der Wiedergutmachung (Bestand StAL EL 350 I). Ein wesentliches Ziel ist es, Arbeitsaufwende zu ermitteln, um der archivübergreifenden Diskussion über die Erschließung der Wiedergutmachungsüberlieferung kalkulierbare Parameter in die Hand zu geben.

Zudem soll ein Bestandteil der Einzelfallüberlieferung digitalisiert werden, um anschließend automatische Verfahren der Text- und Mustererkennung auf die erzeugten Images anzuwenden. Im Rahmen dieses Arbeitsprozesses kooperiert das Landesarchiv BW mit dem FIZ Karlsruhe (Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur). Diesem Teilprojekt liegt ein experimentelles Projektdesign zu Grunde, dessen Ziel die Evaluierung des Potenzials von Machine-Learning Methoden für die Erschließung und Online-Stellung ist.

Einen weiteren Teilaspekt stellt die Erhebung von Auswertungs- und Nutzungsszenarien der Wiedergutmachungsunterlagen dar, die durch den Austausch mit entsprechenden Fachkreisen erfolgen soll. Darunter fallen die historische Community in BW als auch die Fachleute aus auswärtigen Kulturinstitutionen wie den Arolsen Archives und Yad Vashem. Inhaltlich geht es zudem um die Erforschung des Verwaltungsverfahrens für die Wiedergutmachung in BW auf Grundlage der erschlossenen Unterlagen, die u.a. Eingang in einen Rechercheführer finden sollen.


Die im Rahmen des Projekts erprobten Kenntnisse und Verfahrensweisen sollen nicht nur im Landesarchiv verankert werden, sondern auch der Fachcommunity in Form von Best Practices, Konzepten und Handreichungen zur Verfügung stehen.


Ansprechpartnerin
Dr. Rebecca Schröder
Email: rebecca.schroeder@la-bw.de