Wechsel an der Spitze des Generallandesarchivs Karlsruhe
Foto: ARTIS-Uli Deck
Prof. Dr. Wolfgang Zimmermann geht in den Ruhestand – neuer Leiter wird Dr. Martin Stingl
Am Generallandesarchiv Karlsruhe, das als Abteilung zum Landesarchiv Baden-Württemberg gehört, steht ein Leitungswechsel bevor: Prof. Dr. Wolfgang Zimmermann geht Ende März in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird Dr. Martin Stingl, der bisher als Referatsleiter im Generallandesarchiv tätig war. Bei einem Festakt am Donnerstag (27. März) hat Prof. Dr. Gerald Maier, Präsident des Landesarchivs, Wolfgang Zimmermann verabschiedet und Martin Stingl in sein Amt eingeführt.
„Wolfgang Zimmermann hat das Generallandesarchiv Karlsruhe 15 Jahre lang mit außerordentlicher Um- und Weitsicht geführt. Unter seiner Leitung hat es sich zu einem offenen Haus des Dialogs und der Begegnung entwickelt, das aus der Karlsruher Kulturlandschaft nicht mehr wegzudenken ist. Er hat dem Archiv mit einem breit gefächerten Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm ein unverkennbares Profil als Lernort für Geschichte und Demokratie gegeben. Als Abteilungsleiter und kommissarischer Leiter der Dokumentationsstelle Rechtsextremismus hat er außerdem wesentlich zur strategischen Weiterentwicklung des Landesarchivs zu einem über Baden-Württemberg hinaus anerkannten Akteur in der Gesellschaft beigetragen. Er ist nicht nur ein hervorragender Archivar und Landeshistoriker, sondern auch ein exzellenter Öffentlichkeitsarbeiter und Netzwerker. Ich danke Wolfgang Zimmermann für seine Arbeit und seinen hohen persönlichen Einsatz für das Landesarchiv Baden-Württemberg von ganzem Herzen“, sagte Präsident Gerald Maier vor rund 190 Gästen im Generallandesarchiv.
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Arne Braun, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, hob in seinem Grußwort hervor: „Professor Dr. Wolfgang Zimmermann ist ein Mann der Tat, der leidenschaftlich für Demokratie und gegen Rechtsextremismus kämpft. Er hat am Generallandesarchiv zentrale Vorhaben maßgeblich vorangetrieben, die große Anerkennung finden – und das weit über Baden-Württemberg hinaus. Ich danke ihm für sein großes persönliches Engagement, etwa bei der Dokumentationsstelle Rechtsextremismus, der Namibia-Initiative zur Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit sowie der historisch-politischen Vermittlungsarbeit, wie beispielsweise der Online-Datenbank ‚Gurs 1940‘ zur Deportation der jüdischen Bevölkerung aus Baden, der Pfalz und dem Saarland.“
Nach der Verabschiedung von Wolfgang Zimmermann führte Landesarchiv-Präsident Gerald Maier Dr. Martin Stingl als neuen Leiter der Abteilung Generallandesarchiv Karlsruhe in sein Amt ein: „Ich freue mich, dass das Generallandesarchiv mit Martin Stingl einen neuen Leiter bekommt, der nicht nur ein herausragender Kenner der hiesigen Bestände ist, sondern auch der südwestdeutschen und besonders der badischen Landesgeschichte. Neben einem breiten Fachwissen bringt er umfangreiche Erfahrungen in der Vermittlung von Geschichte aus Archivgut mit – und zwar nicht nur als Ausstellungskurator, sondern auch in der Konzeption von Onlineangeboten für eine moderne Erinnerungskultur.“
Martin Stingl tritt zum 1. April 2025 sein Amt als neuer Leiter des Generallandesarchivs an.
Zu den Personen
Wolfgang Zimmermann studierte Geschichte, Katholische Theologie und Griechische Philologie an der Universität Tübingen. Dort wurde er mit einer Arbeit über den Prozess des politischen und religiösen Wandels in der österreichischen Stadt Konstanz in den Jahren 1548–1637 promoviert. Von 1991 bis 1993 absolvierte er das Referendariat für den höheren Archivdienst am Hauptstaatsarchiv Stuttgart und an der Archivschule Marburg. Danach war er bei der damaligen Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in der Abteilung Landesforschung und Landesbeschreibung tätig, deren Leitung er 2002 übernahm. Im neu gebildeten Landesarchiv wurde er 2006 Leiter der Abteilung Fachprogramme und Bildungsarbeit. 2010 erfolgte die Ernennung zum Leiter des Generallandesarchivs Karlsruhe. Zu seinen zentralen Vorhaben gehörten unter anderem der Ausbau von Angeboten zur historisch-politischen Bildungsarbeit und die Verbesserung der baulichen Situation des Archivs. Darüber hinaus war Zimmermann für mehrere Ausstellungsprojekte verantwortlich, auch in Kooperation mit anderen Kultureinrichtungen. Seit 2020 ist Wolfgang Zimmermann zudem kommissarischer Leiter der Dokumentationsstelle Rechtsextremismus.
Wolfgang Zimmermann hat sich im Laufe seiner Amtszeit in zahlreichen wissenschaftlichen Gremien und Beiräten engagiert. Dazu gehört unter anderem die Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, deren stellvertretender Vorsitzender Zimmermann ist. Von 2016 bis 2024 war er Sprecher des Karlsruher Kulturkreises. Wolfgang Zimmermann ist außerdem Honorarprofessor am Zentrum für Europäische Geschichts- und Kulturwissenschaften an der Universität Heidelberg.
Martin Stingl hat Geschichte, Buch- und Bibliothekswissenschaft sowie Politologie und Philosophie an den Universitäten Erlangen und Bonn studiert. In seiner Dissertation beschäftigte er sich mit dem fränkischen Adelsgeschlecht von Bibra und ihren Dienstbeziehungen. Stingl absolvierte von 1994 bis 1996 am Generallandesarchiv Karlsruhe und an der Archivschule Marburg das Referendariat für den höheren Archivdienst. Danach begann er seine berufliche Laufbahn im Staatsarchiv Freiburg, wo er bis 2003 als Referent und Referatsleiter tätig war. Seit 2003 ist Martin Stingl Referatsleiter im Generallandesarchiv und verantwortete hier zuletzt die neueren Archivbestände ab 1918. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören die Bereiche Nutzung, Erschließung, Digitalisierung und die fachliche Betreuung von Informationsangeboten des Generallandesarchivs. Stingl hat in den letzten 20 Jahren unterschiedlichste Projekte in diesen Bereichen geleitet, darunter die Erstellung einer Datenbank zur Deportation der jüdischen Bevölkerung Badens und der Pfalz nach Gurs. Zudem war er am Aufbau der Dokumentationsstelle Rechtsextremismus beteiligt, deren stellvertretender Leiter er seit 2021 ist. Seit 2006 ist er Mitglied im Vorstand des Fördervereins des Generallandesarchivs Karlsruhe e. V. und seit 2022 Mitglied der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg.
Das Generallandesarchiv Karlsruhe mit Dokumentationsstelle Rechtsextremismus
Das Generallandesarchiv Karlsruhe gehört seit 2005 als Abteilung zum Landesarchiv Baden-Württemberg. Das traditionsreiche Archiv in Karlsruhe ist das Gedächtnis Badens. Seine über 43.000 Regalmeter Archivgut reichen vom 9. Jahrhundert bis in die Gegenwart und umfassen auch rund 136.000 Urkunden. Die umfangreichen Foto- und Kartensammlungen sowie die dichte zeitgeschichtliche Überlieferung werden besonders stark nachgefragt. Heute übernimmt das Generallandesarchiv die Unterlagen der Landesbehörden und Gerichte im Regierungsbezirk Karlsruhe.
Am Generallandesarchiv ist auch die 2020 vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst eingerichtete Dokumentationsstelle Rechtsextremismus (DokRex) angesiedelt. Ihre Kernaufgabe ist es, Wissen über rechtsextreme Strukturen, Aktivitäten und Zusammenhänge zu sammeln und zu sichern. Das Team durchkämmt soziale Netzwerke, Homepages und Periodika, analysiert diese und wertet sie aus. Zusammen mit der analogen und digitalen Materialsammlung des Investigativjournalisten Anton Maegerle verfügt die Dokumentationsstelle Rechtsextremismus über einen einzigartigen Quellenfundus.